Gemäß der österreichischen Tierhaltungsverordnung sind Handaufzuchten aus kommerziellen Gründen verboten. Nur in besonders begründeten Fällen darf die Handaufzucht durchgeführt werden.

Im Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien (10.01.1995), herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz heißt es:
"Jungvögel sollten so aufgezogen werden, daß sie artgeprägt sind."

Presseerklärung des Arbeitskreises "Zoofachhandel und Heimtierhaltung" der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz:
" Die Naturbrut, d.h. die Aufzucht bis zum Selbständigwerden durch die Elternvögel, wird den arteigenen Ansprüchen der Vögel am ehesten gerecht. Daher ist ihr immer der Vorzug zu geben."

 

Handaufzucht oder Naturbrut?

Alle Papageienküken sind Nesthocker und werden von ihren Vogeleltern mit ihrem Alter entsprechender Nahrung gefüttert, gewärmt, geputzt. Sie lernen von den Eltern die Körper- und Lautsprache ihrer Art. Wenn die Küken den Nistkasten verlassen haben, beschützen die Eltern sie und bringen ihnen alles bei, was sie als Papageien wissen müssen: Orientierung in der Umwelt, selber fressen und Futtersuche, Verhalten gegenüber Artgenossen und anderen Tieren, usw.

Ein Familienzusammenhalt scheint auch noch zu bestehen, wenn die Küken schon selbstständig sind. So konnte ich beobachten, wie aufgeregt die Wellensittich-Eltern waren, als eines ihrer inzwischen schon etwa drei Monate alten Kinder, das sich in (vermeintlicher) Gefahr befand, zu helfen versuchten. (Das Kleine war aus dem abgeteilten Vogelzimmer heraus geflogen und fand den Weg zurück nicht.)

Nun kommt der Mensch und greift in den natürlichen Brut- und Aufzuchtvorgang ein. Er nimmt also die jungen Küken aus dem Kasten, ersetzt die kuschelige Nisthöhle und die Wärme der Eltern durch eine Plastikschale, ein Handtuch und eine Wärmebox, füttert mit einer Kropfsonde, einer Futterspritze oder einem Löffel einen Einheitsbrei.

So erhält der zukünftige Halter gleich einen fertig zahmen, auf den Menschen (fehl)geprägten Vogel und erspart sich die Mühe, sich das Vertrauen des Vogels zu erarbeiten. Wen interessiert schon der Stress des kleinen Vogels bei der Trennung von den Eltern, das Leid der Vogeleltern über den frühen Verlust der Brut, wen kümmert's, was der kleine Vogel alles nicht erleben durfte.

Wer nun meint, er würde durch seine Entscheidung für eine Handaufzucht garantiert einen problemlosen Vogel bekommen, dem sei gesagt, dass gerade von Hand aufgezogenen Vögel oftmals sehr lästige Verhaltensweisen an den Tag legen, oder Verhaltensstörungen entwickeln. Aggressivität, Schreien und Federn rupfen sind keine Seltenheit.

Mit dem Gedanken, ich nehme eine Handaufzucht, dann habe ich es leichter, schafft man sich u. U. Probleme, die weit schwieriger in den Griff zu kriegen sind als die Zähmung einer anfangs scheuen Naturbrut.

Bitte informieren Sie sich gründlich, bevor Sie Ihre Entscheidung treffen. Eine sehr gute Gegenüberstellung der Aufzuchtsarten und ihrer Vor- und Nachteile finden Sie hier bei www.vogelforen.de . Der gleiche Text steht auch als pdf-Datei zur Verfügung.

Weitere Links:
www.naturbrut.info (Mit Erfahrungsberichten verschiedener Halter)
www.handaufzucht.info (Arbeitsgemeinschaft Naturbrut, mit Links zu den Mitgliederseiten der AGNB)

 


Letztes Aktualisierung: 01.11.2007 - 12:25
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